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Die kultische Bindung der Ba-Konzeption. 2. Teil: Die Ba-Zitate auf den Kultstelen und Ostraka des Neuen Reiches

Die permanent variierten und kombinierten tierischen Formen der Stelen, Ostraka und Statuen des Neuen Reiches vom Zitat des Opfertiers bis zu naturalistischen Tieren und Pseudo-Statuendarstellungen von tiergestaltigen Göttern lassen sich auch ohne die kaum begründete Hypothese einer volkstümlichen Tierverehrung erklären. Unter der Prämisse der Kultstele, d.h. des permanenten Funktionierens der Stelen (und Kultostraka) anlässlich des offiziellen Kults vor Sanktuaren, Kapellen und Pastophoria (mit äußeren steinernen Bildnissen der irdisch schützenden Stadt- und Dorfgötter) können ihre in der Ramessidenzeit zunehmend bildlich und textlich explizierten Ba-Zitate mit den Ba-Formen der theologischen Tradition verbunden werden, insbesondere denen der frühmorgendlichen Schöpfungsriten am Tempel bzw. ihrer zugehörigen Schöpfungshymnik. Die tierischen Formen der Stelen leiten sich ab von den tiergestaltigen Bas des vom königlichen Festgeschehen geprägten Tempelrituals und von der untrennbar damit verbundenen Kategorisierung der Tierwelt. Neben die 'sichtbaren' tierischen Ba-Formen des morgendlichen Hochgottes (Assmanns Welt-Schöpfergott, dessen tierische Formen dann auf der Erde als durch ihr Tierwesen wirksame Bas dieses Gottes am Tage sichtbar sind und als Tierstandarten den Staat schützen), sind die 'geheimen' Bas während der nächtlichen Riten (Kosmogonie) und ersten Dämmerung (Schöpfungsgeschehen mit dem Lebensgott) zu stellen. Die naturalistischen, oft multiplizierten Tierreihen der Stelen sind entsprechend auf die (nur den Geheimnisträgern, die in die Sanktuare eintreten, zugängliche) landschaftlich-kosmische Ebene des frühmorgendlichen Schöpfergottes zu stellen, wo allein sich Tiere, Menschen und Götter begegnen. Anhand von zwei bekannten Stelen aus der Nekropole von Assiut, den thebanischen Meresger-Stelen und anderen Beispielen soll pauschal gezeigt werden, dass die Evozierung der Tierformen formal mit festlichen kultischen Prozessionen und inhaltlich mit dem Zeitablauf der kultischen Anrufungen der Geheimnisträger im nächtlich-morgendlichen sakralen Raum zu verbinden ist. Die konkrete tiergestaltige Statuenform außen ist immer eine eigenständige Gottheit. Sie wird wie jeder irdisch wirksame und einem raumzeitlichen Kultablauf unterworfene deus minor nur temporär identisch mit der sichtbaren 'Hochgottheit', die als Vatergottheit der irdisch sichtbaren Sohngottheit im kultischen Zyklus permanent das 'Leben gibt'

Titel: Die kultische Bindung der Ba-Konzeption. 2. Teil: Die Ba-Zitate auf den Kultstelen und Ostraka des Neuen Reiches
Verfasser: Kessler, Dieter
Herausgeber: Altenmüller, Hartwig
Dokumenttyp: BB
Erscheinungsdatum: 2001
Zeitschrift/Reihe: Studien zur Altägyptischen Kultur (SAK) ; Band/Jahrgang: 29
Verlag/Hrsg.: Buske, Helmut , Hamburg
Schlagworte: BA; OSTRAKON; KULT; DEIR_EL-MEDINEH; PRIVATSTELE; ASSIUT; NEUES_REICH
Seiten: 139-186
Signatur: Z-SAK
Bearbeitungsstatus: vollständig
Identifier: 3-87548-267-0
Datensatznummer: 18286